Ersatzfahrzeug

Immer wieder zu Diskussionen führt die Entschädigung des Ersatzfahrzeuges. Die Problematik ist, dass die Versicherungen die Praxis sehr unterschiedlich handhaben. Sogar innerhalb einer Versicherung kommen - je nach Region oder Sachbearbeiter - unterschiedliche Auslegungen vor. Die Situation ist relativ klar:

 

Anspruchsberechtigung im Kaskofall:

 

Nur bei entsprechender Deckung (siehe Police)

 

Anspruchsberechtigung im Haftpflichtfall: 

 

In SVG 58 geht eindeutig hervor, dass ein Ersatzwagen im Haftpflichtfall geschuldet ist. Gerne wird jedoch die so genannte Schadenminderungspflicht (siehe Schadenminderungspflicht) dazu missbraucht, diese Berechtigung in Frage zu stellen.

 

Die sehr starre Interpretation, dass nur wer beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen ist, dieses auch entschädigt bekommt, wird gemäss aktueller Rechtsprechung mehrheitlich abgelehnt.

 

Wer im Haftpflichtfall ein Fahrzeug braucht, soll dies allerdings vernünftig begründen, um Streitigkeiten zu vermeiden. Nebst beruflichen Gründen kommen in Frage:

  • Familiäre Verpflichtungen
  • Hobbys, Sport usw.
  • Geplante Ferien 
  • Abgelegene Wohnlage
  • usw.

 

Die meisten Versicherungen stellen heute jedoch die Kostenübernahme nicht mehr in Frage.

 

Wird das Ersatzauto nur für ganz bestimmte Aufgaben (beispielsweise wöchentlicher Arztbesuch) gebraucht, ist es nicht sinnvoll, für die ganze Reparaturzeit ein Fahrzeug zu beanspruchen. In diesem Fall müssen jedoch von der Versicherung alle Kosten wie Taxi usw. vollumfänglich übernommen werden.

 

Dauer

 

Das Ersatzfahrzeug ist für die notwendige Reparaturzeit geschuldet. Verzögert sich die Reparaturzeit aufgrund von Situationen, für welche weder der Kunde noch der Reparaturbetrieb verantwortlich ist, muss auch für diese Verzögerung das Ersatzfahrzeug entschädigt werden. Mögliche Gründe für Verzögerungen: Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung (Verzögerung, Beschädigung des Neuteils), Feiertage, usw.

 

Handelt es sich beim beschädigten Fahrzeug um einen Totalschaden, müssen die Kosten von der Versicherung übernommen werden, bis eine Ersatzbeschaffung möglich ist.

 

Als Faustregel gilt eine Ersatzbeschaffung von rund 10 Tagen. In dieser Zeit sollte ein neues Auto beschafft werden können. Dauern die Abklärungen zwischen Schadeneintritt und definitiver Entscheidung länger, kann sich die Dauer natürlich verlängern. In diesem Fall muss die Versicherung die zusätzlichen Tage entschädigen.

 

Wird ein Fahrzeug beschädigt, welches der Käufer neu nach eigenen Spezifikationen (Werksbestellung) erworben hat und ist kein entsprechendes Fahrzeug verfügbar, sind die Kosten bis zur Lieferung des Neufahrzeuges geschuldet.

 

Lieferfristen von mehreren Monaten sind möglich. In diesem Fall haftet die Versicherung für die vollen Kosten. Natürlich werden in einem solchen Fall alle Beteiligten nach einer vernünftigen Lösung suchen. In der Regel überbrückt der Neuwagenlieferant die Zeit mit einem zum Verkauf stehenden Gebrauchtwagen, welches zwischenzeitlich auf den Kunden eingelöst wird. So werden die Kosten vernünftig reduziert.

 

© Swissgarant

April 2013

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